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Welche Begegnungen/Erfahrungen hatten Sie mit Dorothee Sölle?
Margot Käßmann
Im Kontext meines Studiums der Erwachsenbildung an der Leibniz Universität Hannover entschied ich mich, meine Diplomarbeit über das Menschenbild im Werk Dorothee Sölles zu schreiben und auf seine Chancen für die alternative Erwachsenbildung hin zu befragen. Mich interessierte dabei ihr ganzheitliches Verständnis von Leben und Lernen. 1984 interviewte ich Sie dazu in ihrem Haus in Hamburg. Dort lud sie mich zu einer Nachmittagsrunde mit Roter Grütze im Kreis ihrer Familie ein.
Wichtiger scheint mir allerdings meine innere Begegnung mit den Gedanken von Dorothee Sölle zu sein, denn durch die innere Korrespondenz, die damit für mich begann, löste ich mich aus meiner
bisherigen Welt.
Ich studierte Ev. Theologie und Religionspädagogik im Hauptstudium, trat in die ev. Kirche ein, wurde Mitarbeiterin der Berliner Berufsschularbeit und Jugendbildungsreferentin im Haus Kreisau. Ich führte zwei Interviews mit Sölles Ehemann, Fulbert Steffensky zu den Chancen religiöser Bildung in der säkularen Gesellschaft.
Raphael Döhn
Lotte Rodi
Nora Borris
Michael Micic
Dr. Ursula Baltz-Otto
Swantje Amelung
Die schönste Begegnung war in der Tübinger Stiftskirche bei einem Konzert mit der Gruppe Sal, da haben wir am Ende getanzt und ich neben Dorothee Sölle.
Auf den vielen Kirchtagen war ich regelmäßig in ihren Bibelarbeiten und politischen Nachtgebeten, da habe ich sie kennengelernt und wertgeschätzt. Bis heute habe ich ein Foto von ihr im
Schlafzimmer mit einer Botschaft von ihr:
„Wir beginnen den Weg zum Glück nicht als Suchende, sondern als schon Gefundene“
Hiltrud Warntjen
Was ist Ihnen das wichtigste am Werk von Dorothee Sölle ?
Margot Käßmann
Ihre konkrete Lebensnähe und Poesie. Ihre Leidenschaft für Schönheit, Lebendigkeit und Gerechtigkeit. Ihre Ehrlichkeit. Ihre Unbestechlichkeit in der Nachfolge Jesu im Hier und Jetzt.
Raphael Döhn
Lotte Rodi
Nora Borris
Michael Micic
Dr. Ursula Baltz-Otto
Swantje Amelung
Das Gott nicht oben im Himmel sitzt und nach uns nach unten schaut und nach gutem und bösen richtet. Gott ist in uns, Ganz nah und jeder von uns ist verantwortlich wie unser Leben gestaltet wird, ob privat in der Nächstenliebe oder politisch in gesellschaftlichen Fragen.
Die Theologie der Befreiung, diese hatte ich dann auch als Schwerpunkt in meiner theologischen Zusatzausbildung während meines Studiums
Hiltrud Warntjen
Was hat Dorothee Sölle uns in Kirche und Gesellschaft heute noch zu sagen?
Margot Käßmann
Wir brauchen in Kirche und Gesellschaft mehr Fußwäscher*innen als Klugredner*innen! Alltagstauglich kritisch Klug – Sein mit fröhlichem Herzen wäre das neue „Unverzagt“. Liebevolle Zuwendung zum Nächsten und zur Schöpfung, auch wenn`s schwer fällt.
Dorothee Sölle hat es glaubwürdig vorgelebt und darüber – auffordernd – geschrieben. Ihr Werk ist eine aufrüttelnde Einladung, mitzuwirken am Schöpfungswerk Gottes in der Welt, in unserem Leben.
Sie bleibt ein seltenes und kostbares Beispiel für Kirche und Gesellschaft. Meine innere Korrespondenz mit ihr dauert an. Insofern ist sie lebendig.
Raphael Döhn
Lotte Rodi
Nora Borris
Michael Micic
Dr. Ursula Baltz-Otto
Swantje Amelung
Immer wachsam zu bleiben, wenn Unrecht geschieht und den Mut nicht zu verlieren zivilen Ungehorsam zu leisten, wenn es nötig ist.
Das Staunen über die kleinen und großen Wunder nicht zu verlieren.
Ihr Vermächtnis wird immer bleiben: „Erinnert Euch an den Regenbogen 🌈 So lange die Erde steht, wird das Leben nicht aufhören, kostbar, bedroht, gefährdet - und getragen zu sein“. (Da steckt für mich so viel Hoffnung drin)
Hiltrud Warntjen
In 2019 aus Anlass des 90. Geburtstags von Dorothee Sölle, den sie leider nicht mehr erleben konnte, hatte ich schon einmal Stimmen gesammelt: